Ammoniak und Staub im Stall — Folgen für Pferd und Mensch
Ein Mensch verbringt fünfzehn Minuten am Tag in der Box, ein Pferd fünfzehn Stunden — mit dem Kopf deutlich näher am Boden, wo sich Ammoniak sammelt.
Ammoniak im Stall entsteht aus dem Harnstoff im Pferdeurin und sammelt sich dicht über dem Boden — also auf Nüsternhöhe eines liegenden Pferdes. Bis zu 80 % der Pferde zeigen Anzeichen von leichtem bis mittelgradigem equinem Asthma, und allein das Ausmisten hebt die Staubbelastung der Luft bis auf das 16-Fache. Drei Dinge entscheiden: nasse Einstreu schnell entfernen, ein Material wählen, das Ammoniak bindet, und eine Lüftung, die funktioniert.
Wenn Ihnen morgens beim Betreten des Stalls die Augen brennen, liegt die Ammoniakkonzentration bereits über dem Wert, ab dem beim Pferd Veränderungen der Atemwege beginnen. Das Problem: Ein Mensch verbringt fünfzehn Minuten am Tag in der Box, ein Pferd fünfzehn Stunden — mit dem Kopf deutlich näher am Boden. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Forschung zur Stallluft weiß, und übersetzt es in Entscheidungen, die sich tatsächlich treffen lassen.
Woher der Ammoniak kommt
Pferdeurin enthält Harnstoff. Das Enzym Urease, in Kot und Einstreu vorhanden, baut ihn innerhalb von Stunden zu Ammoniak ab — schneller bei Wärme und Feuchtigkeit, also genau unter den Bedingungen einer geschlossenen Box im Winter. Ammoniak ist leichter als Luft, die höchsten Konzentrationen werden im Stall dennoch am Boden gemessen, weil er dort entsteht und bei fehlender Luftbewegung dort verbleibt.
Das erklärt eine Diskrepanz, die viele Betriebsleiter in die Irre führt: Eine Messung auf Kopfhöhe kann unauffällig ausfallen, während das liegende Pferd Luft mit einem Vielfachen dieser Konzentration atmet.
- Wie viel Harn in der Box bleibt — nasse Einstreu ist eine Ammoniakfabrik im Dauerbetrieb.
- Welches Material den Harn bindet — die Unterschiede zwischen Einstreuarten sind um ein Vielfaches, nicht um Prozente.
- Wie oft die Luft gewechselt wird — Lüftung beseitigt die Quelle nicht, verdünnt aber die Wirkung.
Was Ammoniak und Staub mit den Atemwegen machen
Das Ausmaß ist größer, als die Zahl sichtbar hustender Pferde vermuten lässt. Studien zeigen, dass bis zu 80 % der Pferde Anzeichen von leichtem bis mittelgradigem equinem Asthma aufweisen (früher als IAD bezeichnet), während die schwere Form — deutlicher Husten, angestrengte Atmung, die klassische Dampfrinne — 11 bis 17 % der Population betrifft.
Beim Sportpferd bedeutet leichtes Asthma keinen Husten in der Box. Es bedeutet langsamere Erholung nach der Arbeit, frühere Ermüdung und ein Ergebnis, das sich mit dem Training nicht erklären lässt. Es ist einer der am häufigsten übersehenen Faktoren bei nachlassender Leistung.
| Quelle | Emission | Ausmaß |
|---|---|---|
| Harn in der Einstreu | Ammoniak | höchste Werte am Boden, steigend über Nacht |
| Heu | Staub, Schimmelsporen, Endotoxine | die häufigste einzelne Staubquelle im Stall |
| Stroheinstreu | Staub | 2–3× mehr als Alternativmaterialien |
| Ausmisten | Schwebstaub | bis zum 16-Fachen des Ruhewerts |
Der 16-fache Anstieg hat eine unmittelbare organisatorische Folge: Pferde sollten während und direkt nach dem Ausmisten nicht in der Box stehen. Empfohlen sind 30 bis 60 Minuten, so lange brauchen die Partikel zum Absinken. Praktisch heißt das, die Reihenfolge zu ändern — erst auf die Koppel, dann ausmisten. Das kostet nichts und gehört zu den wirksamsten Maßnahmen überhaupt.
Einstreu: messbare Unterschiede
Studien, die Einstreumaterialien vergleichen — Weizenstroh, Holzspäne, Hanf, Pellets — zeigen zweierlei. Erstens erzeugt Stroh zwei- bis dreimal mehr Staub als die Alternativen. Zweitens unterscheiden sich die Materialien nicht nur in der Saugfähigkeit, sondern in ihrer Fähigkeit, Ammoniak zu binden: Strohpellets schneiden in diesen Vergleichen am besten ab und begrenzen den Übergang des Stickstoffs in die flüchtige Form.
Das Verbesserungspotenzial ist groß. In einer Studie senkte der Wechsel von Einstreu und Futter — von Stroh und Heu auf Späne und Heulage — die Staubbelastung um über 97 %.
Weniger Einstreu senkt die Einkaufskosten und das abzufahrende Volumen, verkürzt aber zugleich den Weg des Harns zum Boden und verlängert seinen Kontakt mit der Luft. Wer Einstreu reduziert, muss das durch häufigeres Entfernen nasser Stellen ausgleichen — sonst wird aus der Ersparnis eine höhere Ammoniakkonzentration.
Lüftung — das am meisten vernachlässigte Element
Gedämmte, im Winter dicht verschlossene Ställe „zum Wohl der Pferde“ sind ein Lehrbuchbeispiel für gute Absicht mit gegenteiliger Wirkung. Ein Pferd verträgt Kälte deutlich besser als schlechte Luft; der Wärmekomfort der arbeitenden Menschen wird regelmäßig mit dem Bedarf des Tieres verwechselt.
Die Wirkung guter Lüftung ist messbar. In einer Studie mit einer bilanzierten mechanischen Anlage aus Zu- und Abluft sanken Kohlendioxid, Ammoniak, ultrafeine Stäube und Allergene gleichzeitig, und bei allen untersuchten Pferden ging die Atemwegsentzündung zurück.
- Freie Lüftung — Zuluft unten, Abluft im First, Querschnitt passend zum Stallvolumen. Sie funktioniert, bis jemand im Winter die Zuluft schließt.
- Mechanische Lüftung — teurer, aber berechenbar und unabhängig von Wetter und Windrichtung.
- Lüftung während der Arbeit — ein eigenes Thema: beim Ausmisten alles öffnen, was sich öffnen lässt, und die Pferde erst danach hereinholen.
Nicht nur die Pferde — Arbeitsschutz
Wer ausmistet, verbringt täglich mehrere Stunden in der Zone der höchsten Staubbelastung, meist ohne Atemschutz. Organischer Staub aus Heu und Einstreu enthält Schimmelsporen und Endotoxine; chronische Exposition gilt arbeitsmedizinisch als anerkannter Risikofaktor für Atemwegserkrankungen.
Die realistischen Mindestmaßnahmen: eine FFP2-Maske beim Ausmisten und bei der Heuentnahme, offene Tore während der Arbeit und ein Wechsel der Aufgaben, damit nicht dieselbe Person Tag für Tag dreißig Boxen macht. Unterdrucksysteme, die den Mist absaugen, statt ihn mit Gabel und Karre zu bewegen, beseitigen einen großen Teil dieser Belastung an der Quelle, weil der Staub gar nicht erst aufgewirbelt wird.
Maßnahmenplan, vom Günstigsten zum Teuersten
| Maßnahme | Kosten | Wirkung |
|---|---|---|
| Pferde vor dem Ausmisten herausnehmen | keine | vermeidet die Exposition beim 16-fachen Staubanstieg |
| Lüftung im Winter öffnen | keine | senkt Ammoniak und CO₂ |
| Nasse Einstreu täglich entfernen | Arbeitszeit | beseitigt die Ammoniakquelle |
| Heu wässern oder bedampfen | gering | reduziert die wichtigste Staubquelle |
| Einstreu mit Ammoniakbindung | mittel | weniger Ammoniak und Staub, geringeres Mistvolumen |
| Mechanische Lüftung | hoch | messbarer Rückgang der Atemwegsentzündung |
| Staubfreies Entmistungssystem | hoch | kein Aufwirbeln von Staub bei der Arbeit |
Die ersten drei Zeilen erfordern keinerlei Investition, nur geänderte Gewohnheiten und eine andere Arbeitsreihenfolge. Damit sollte man beginnen — schon um zu sehen, wie viel des Problems verschwindet, ohne einen Euro auszugeben.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich zu viel Ammoniak im Stall?
Ein wahrnehmbarer Geruch beim morgendlichen Betreten und brennende Augen bedeuten, dass die Konzentration bereits hoch ist — die menschliche Nase erkennt Ammoniak erst oberhalb der Werte, die für Dauerexposition als unbedenklich gelten. Messen Sie 30 bis 50 cm über dem Boden, dort atmet das liegende Pferd, nicht auf Kopfhöhe.
Wie viele Pferde haben Atemwegsprobleme?
Studien zufolge zeigen bis zu 80 % der Pferde Anzeichen von leichtem bis mittelgradigem equinem Asthma, 11 bis 17 % leiden an der schweren Form. Die leichte Form führt in der Box meist nicht zu Husten, sondern zu geringerer Leistungsfähigkeit und langsamerer Erholung.
Dürfen Pferde während des Ausmistens in der Box bleiben?
Das ist nicht ratsam. Ausmisten hebt die Staubbelastung der Luft bis auf das 16-Fache des Ruhewerts. Pferde sollten 30 bis 60 Minuten draußen bleiben, bis die Partikel abgesunken sind.
Welche Einstreu ist für die Atemwege am besten?
Stroh erzeugt zwei- bis dreimal mehr Staub als Alternativmaterialien. Bei der Ammoniakbindung schneiden Strohpellets am besten ab. Holzspäne sind ein guter Kompromiss aus Preis, Staub und Saugfähigkeit. Entscheidender als das Material bleibt, wie häufig nasse Stellen entfernt werden.
Ist ein gedämmter, dichter Stall im Winter besser für Pferde?
In der Regel nicht. Pferde vertragen niedrige Temperaturen weit besser als schlechte Luftqualität. Das Schließen der Lüftung im Winter erhöht Ammoniak, Kohlendioxid und Staub. Vorrang hat der Luftwechsel ohne Zugluft auf Pferdehöhe, nicht eine Temperatur über null.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Atemwegserkrankung — Husten, Nasenausfluss, Leistungsschwäche — ist eine tierärztliche Abklärung erforderlich.
Quellen
- Air Quality in Horse Barns: Respiratory Health, Dust & Ventilation — Mad Barn
- Dust and ammonia in horse stalls with different ventilation rates and bedding — Aerobiologia
- Air Quality in Horse Stables — IntechOpen
Zuletzt aktualisiert: 2026-09-20. Erstellt vom Team der Clever Equine Solutions sp. z o.o..